Der Klimawandel verändert die Schweiz spürbar – mit steigenden Temperaturen, häufigeren Extremereignissen und neuen Risiken. Diese Entwicklungen bedrohen zunehmend das baukulturelle Erbe und beschleunigen schädigende Prozesse an historischen Bauwerken.
Seit Beginn des 20. Jahrhunderts steigen die globalen Durchschnittstemperaturen kontinuierlich, begleitet von einer Zunahme extremer Wetterereignisse wie Hitzewellen, Trockenperioden und Starkniederschlägen. Der globale Klimawandel ist Realität. Die Entwicklung des Klimas im 20. und 21. Jahrhundert wird vor allem durch menschliche Treibhausgasemissionen bestimmt.
© Bundesamt für Meteorologie und Klimatologie MeteoSchweiz
Regional verläuft der Klimawandel sehr unterschiedlich. Stand Januar 2026 liegt der Temperaturanstieg in der Schweiz bei 3°C gegenüber dem vorindustriellen Niveau (1850–1900). Damit fällt er etwa doppelt so hoch aus wie der Anstieg der durchschnittlichen globalen Erdoberflächentemperatur. Im Sommer nehmen einerseits die Trockenperioden und Hitzewellen zu, andererseits werden die Winter schneeärmer und die Niederschläge intensivieren sich.
Der alpine Raum reagiert besonders sensibel auf diese klimatischen Veränderungen. Neben dem Rückgang der Gletscher schreitet auch das Auftauen des Permafrosts voran. Beide Entwicklungen destabilisieren den Untergrund und erhöhen das Risiko von Naturgefahren wie Felsstürzen, Bergstürzen und Murgängen. Gleichzeitig verschiebt sich die Nullgradgrenze nach oben, was zu einer abnehmenden Schneebedeckung und veränderten Lebensbedingungen für alpine Ökosysteme führt. Dies wirkt sich erheblich auf Flora und Fauna aus. Auch ausserhalb der Hochlagen sind die Auswirkungen des Klimawandels in der Schweiz deutlich spürbar. Starkniederschläge führen immer häufiger zu Überschwemmungen. In städtischen Gebieten wird die Hitzebelastung durch Wärmeinseln zusätzlich verstärkt. Wälder und landwirtschaftlich genutzte Flächen sind sowohl durch die zunehmende Trockenheit als auch durch die Ausbreitung von Schädlingen stark unter Druck geraten.
© HKB / Stefan Zumbühl
All diese klimatischen Veränderungen haben spürbare Auswirkungen auf das baukulturelle Erbe. Eine Bedarfsanalyse des Bundesamtes für Kultur aus dem Jahr 2023 sowie eine im Rahmen unseres Projekts durchgeführte repräsentative Umfrage (2025) zeigen deutlich: Die Auswirkungen des Klimawandels bedrohen das baukulturelle Erbe der Schweiz akut.
Durch den Klimawandel werden schädigende Prozesse am baukulturellen Erbe verstärkt und beschleunigt, da er über physikalische, chemische und biologische Mechanismen zusätzliche Belastungen erzeugt. Dabei wird zwischen plötzlich und schleichend einsetzenden Klimaereignissen differenziert:
Extremereignisse
Die klimatischen Entwicklungen werden sich in den nächsten Jahren verschärfen. Sie bergen neue Risiken für das baukulturelle Erbe. Extremereignisse wie Stürme, Brände, Überflutungen und Erdrutsche werden häufiger.
© Fondazione Valle Bavona
© Kirchgemeinde Flaachtal
Foto Felix Schacher © fotoarchiv-mellingen
© Berner Münster-Stiftung, Bern
Progressive Klimaereignisse
Gleichzeitig nehmen auch progressive Klimaereignisse stetig zu. Ihre Auswirkungen zeigen sich erst nach und nach, da ihr Fortschritt schleichend ist und die Schäden sich kumulieren. Hierzu zählen erhöhte Temperaturen und Luftfeuchtigkeit sowie veränderte Niederschlagsmuster und Salzkristallisation. Sie führen dazu, dass sich Baumaterialien schneller abbauen. Zudem begünstigen feucht-warme Umgebungen Schädlinge wie Hausbock, Holzameisen und Nagekäfer. Aber auch Algen, Moose und Schimmelpilze wachsen unter diesen Bedingungen schneller.
© HKB / Jana Minder
© 2017 Andreas Franz, ARGE Kirche Zillis | Franz + Rampa, Nutzungsrecht: Stiftung Kirchendecke Zillis
© E-Nachschlagewerk für das Bauen an historischen Häusern, Foto: Fredi Altherr
© E-Nachschlagewerk für das Bauen an historischen Häusern, Foto: Martin Benz
Wechselwirkung
Als besonders gefährlich gilt die Wechselwirkung zwischen den beiden oben genannten Phänomenen: Langsame Schäden führen zu einer dauerhaften Schwächung der Substanz historischer Gebäude, wodurch sie wiederum anfälliger für akute Extremereignisse werden.